Winfried Frey: Schauspieler, Moderator und Autor

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Vielseitigkeit ist sicher eines der Hauptattribute, das den Münchner Künstler Winfried Frey auszeichnet. “In einem Programmheft habens amal gschrieben, ich bin ein Allrounder“ erzählt er mit einem Lächeln. Einem breitem Publikum ist er aus zahlreichen Fernseh- und Theaterproduktionen wohlbekannt. Sei es als Waldarbeiter in dem ZDF-Dauerbrenner „Forsthaus Falkenau“, Bösewicht in verschiedenen Krimiserien wie „SOKO 5113“, „Tatort“, „Rosenheim Cops“ oder als Polizist in Franz Xaver Bogners Kultserie „München 7“.

 

Vielleicht hat er seinen Erfolg ja seinem außergewöhnlichen Geburtsdatum zu verdanken: Der Winfried ist ein „Christkindl“. „Ich bin am 24. Dezember vormittags auf’d Welt kommen, a bisserl zu früh. Die Mama hat gmeint ich war so neugierig.“ Seine Neugier, was neue Projekte und vielseitige Rollen angeht hat er sich immer erhalten. Das schauspielerische Talent des kleinen „Winnie“ zeigt sich schon früh. Bereits mit 11 Jahren spielt er seine erste Hauptrolle in dem Theaterstück „Der Hunderter im Westentascherl“. Sechs Monate später gründet er zusammen mit seinem fünf Jahre älteren Freund Bernhard Hafner das humoristische Duo „Die Brucker Buam“. Die beiden Burschen begeistern ihr Publikum mit großer Musikalität und witzigen Sketchen. 1981 erhielten sie dann auch den Lohn für ihre Mühe: Beim Nachwuchswettbewerb des bekannten „Platzl“ in München landen sie unter den ersten zehn. 1984 hält den jungen Winfried Frey nichts mehr in seiner Heimatstadt Neuburg. „Meine Eltern ham mich unterstützt und mir ermöglicht eine Schauspiel-Ausbildung am „Zinner-Studio“ zu machen“. Zwei Jahre später wird er von der Schule weg ins Stammensemble vom „Platzl“ berufen und „Beim traditionellen Aschermittwoch-Fischessen hat mich der Bernd Helfrich vom „Chiemgauer Volkstheater“ gsehn und bald drauf gfragt, ob ich an seinem Theater mit’m Beppo Brem spielen möcht.“

 

Viele Jahre lang tritt Winfried Frey in verschiedenen bayerischen Volkstheatern auf, auch Veit Relins TorTurmTheater in Sommerhausen bei Würzburg wird für ihn eine wichtige Station seiner Karriere. „Da hab ich mit der Lis Verhoeven das erste mal unter einer Regisseurin gearbeitet. Die hat emotional viel aus mir herausgeholt.“ Er arbeitet mit bekannten KollegInnen wie Iris Berben, Ilse Neubauer, Maxl Graf, Toni Berger, und vielen anderen zusammen. Die Rolle des „Steffl“ in der ersten bayerischen Sitcom „Zum Stanglwirt“ macht ihn einem großen Fernsehpublikum bekannt. In über 40 Folgen steht er für RTL vor der Kamera und begeistert regelmäßig über 9 Millionen Zuschauer.

 

1995 folgt dann der Durchbruch: Der Kultregisseur Dr. Norbert Kückelmann engagiert Winfried Frey für die Hauptrolle seines Filmes „Alle haben geschwiegen“. Frey verkörpert darin einen Bösewicht – und das so überzeugend, dass einige Leute seine Mutter ansprechen mit den Worten: „Da hast Du Dir ja was Schönes großgezogen“. Seine schauspielerische Leistung überzeugt aber nicht nur das Publikum, sondern auch die Fernsehmacher. Winfried Frey wird festes Mitglied der ZDF-Serie "Forsthaus Falkenau" in der Rolle des Waldarbeiters Schorsch Binder. Auch der begehrte bayerische Regisseur Franz Xaver Bogner holt ihn vor die Kamera. In dessen mehrfach ausgezeichneter Fernsehserie „München 7“ übernimmt Winfried Frey den Part des Polizisten Hans Kneidl. 2005 steht er als gehbehinderter Richard Karpfinger in „Zeit der Fische“ vor der Kamera. Eine Hauptrolle mit immenser Fallhöhe, ebenso wie im „TATORT – Im Visier“.

 

Viele andere hätten sich jetzt auf ihren Lorbeeren ausgeruht, aber Winfried Frey will mehr. Er sprudelt geradezu vor Kreativität und gründet zusammen mit seinen Kollegen und Freunden Jörg Dellacher und Helmut Rolle die Kabarett-Gruppe „Boarisch Dynamit“. Die erfolgreiche Mischung aus bayerischen Raritäten in Wort und Musik verschafft den dreien zahlreiche Auftritte in ganz Bayern. Besondere Spezialität von Winfried Frey in diesem Programm sind Altmünchner Couplets. Ein Kollege: „Der singt den ‚Stolz von der Au’ net nur – der is es“.

 

Irgendwann während dieser rasanten beruflichen Entwicklung findet Winfried Frey seine Ehefrau, die Schauspielerin Petra Auer, und führt sie vor den Traualtar. „Sie is meine Traumfrau, mit ihr möcht ich alt werden.“ Kennen gelernt haben sich die beiden – wie könnte es anders sein - auf der Theaterbühne. Die Kinder Tanja, Simon und Lilli ergänzen schon bald das Familienleben. „Du hast so viele gute Ideen, da sollten andere Leut auch was davon ham“ sagt seine Frau bei einem Spaziergang. Im Jahr 2000 wird eine neue Geschäftsidee im Hause Frey geboren: die Firma „Freydenker“. Petra und Winfried Frey bieten ihren Kunden eine breite Palette künstlerischer Gestaltung für Veranstaltungen aller Art. Dazu gehören Firmenjubiläen ebenso wie Hochzeiten oder Geburtstagsfeste.

 

Dem Theater ist Winfried Frey trotz seiner Fernseh-Erfolge immer treu geblieben. Er übernimmt immer wieder Rollen im „Komödienstadl“ des Bayerischen Rundfunks. „Mittlerweile hab ich vier abendfüllende Theaterstücke geschrieben, drei davon auch inszeniert.“ So Frey, „Des macht mir sehr viel Spaß.“ Ende 2004 wurde das Singspiel „Die keusche Hur“ in seiner Heimatstadt Neuburg an der Donau uraufgeführt: ein durchschlagendem Erfolg. Ausverkaufte Theatersäle bescherte ihm 2006/2007 sein zweites Stück: „Theo Berger – Bruchstücke“. Bei drei Produktionen fungiert/e Frey als Autor, Regisseur und Darsteller. Im Herbst 2009 findet die Uraufführung des Politicals "MACHT los" im Stadttheater Neuburg an der Donau statt. Eine Tragigkomödie über Politiker. Uraufführung 23.10.2009.

 

Besonders die Geschichte über den berühmt-berüchtigten Theo Berger, den „Ausbrecherkönig vom Donaumoos“, katapultierte den Künstler in die Schlagzeilen. Vorlage des Stückes war das Leben von Theo Berger, der in den 60er und 70er Jahren die bayerische Justiz durch waghalsige Ein- und vor allem Ausbrüche zum Narren hielt. „Die Rolle hat mich physisch und psychisch ganz schön mitgnommen,“ er grinst, „aber i mogs ja net anders". "2007 hab ich auf der Alpenseebühne Garmisch-Partenkirchen den Leopold "Im Weissen Rössl" gespielt und gesungen. Auch gspassig - zwei absolut unterschiedliche Typen. Manchmal komm ich mir vor wie ein Schizophrener auf Freigang.“

 

Man möchte meinen, dass Winfried Frey bei all diesen künstlerischen Aktivitäten mal eine kreative Pause bräuchte. Aber das reicht ihm alles bei weitem noch nicht. In den nächsten Wochen wird er nicht nur für einige Fernsehserien vor der Kamera stehen, zusammen mit seiner Kollegin Conny Glogger vom Bayerischen Rundfunk organisiert er jährlich den Künstlerball „Münchner Vorstadthochzeit anno 1905“. Seit 2007 dreht Franz Xaver Bogner wieder mit Frey. Als VOI Eugen Gänslmayr vom Bau- und Ordnungsamt, setzt der Kultregisseur ihn in seiner neuen BR-Rathausserie „Der Kaiser von Schexing“ ein. Im Herbst 2007 gibt’s zum wiederholten Male eine Zusammenarbeit mit Regie-Shooting-Star Marcus H. Rosenmüller im Film „Räuber Kneißl“ als Kommandant Gösswein. 2008/2009 verkörperte Winfried Frey beim berühmten Politikerderblecken am Nockherberg, wunderbar überzeichnet, den CSU-Politiker Erwin Huber. Er empfindet es als Auszeichnung in der exklusiven Kabarettgruppierung mitwirken zu dürfen. Seit 2009 dreht Winfried Frey sporadisch für den BR die musikalische Reisereportage "FREYFAHRT".

 

Da fragt man sich, wo bleibt noch Zeit für Freunde und Familie? Doch, diese Zeit bleibt. „Bei meinen Freunden zählt nicht die Quantität, sondern die Qualität des Kontakts. Da wird nicht jedes Telefonat aufgerechnet.“ Und dass seine Familie das Wichtigste in seinem Leben ist, das merkt man dem Winfried an, wenn er über seine Kinder und seine Frau spricht. Ob seine Kinder auch einmal Schauspieler werden wollen? „Da wart’ ma ab, die dürfen jetzt erst amal Kind sein“, antwortet der Papa auf entsprechende Mutmaßungen. Er ist überhaupt bemerkenswert bodenständig geblieben. Und das ist sicher eines der großen Geheimnisse seines Erfolges: bayerische Bodenständigkeit, gepaart mit genialer Kreativität und nicht zuletzt einer gehörigen Portion Talent. Welches Projekt ist wohl als Nächstes dran, Herr Frey?

 

Autorin: Katharina Fitz-Bronisch

 

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